Die Einschätzung von Malte Schwerhoff und Adrian Perrig zeigt sehr schön: Die Erwartungen, was KI alles kann, sind überzogen bis unrealistisch. Und die menschliche Expertise wird konsequent unterschätzt.
Zentrale Gedanken aus dem Interview mit Blick auf die Informatik:
🔎 Wenn man einfache Systeme wie eine Website mit KI baut, dann ist es so, als würde man seine Möbel selbst basteln, anstatt sie von einer Schreinerin oder aus der Fabrik zu beziehen.
🔎 KI ist ein neues Tool, das die Informatiker:innen effizienter macht. Menschen braucht es weiterhin, denn diese System können nicht alles leisten, was eine qualifizierte Person in diesem vielfältigen Beruf leistet, und sie machen Fehler. Hinzu kommt: Es sind Informatiker:innen, die KI weiterentwickeln.
🔎 KI-Firmen brüsten sich in Videoclips, was ihre KI-Modelle und Tools alles können. Doch grobe Fehler werden einfach herausgeschnitten.
🔎 Die grossen Sprachmodelle sind letztlich statistische Vorhersagen über eine begrenzte Informationsmenge. Das ist aber noch keine Intelligenz, die eigenständig Neues schafft.
🔎 Kritisches Denken war schon immer Teil der Informatikausbildung. Diese «Future Skill» braucht es zum Beispiel, weil Informatiker:innen verantwortlich für IT-Systeme sind, die von Tausenden oder Millionen von Menschen genutzt werden. Die System müssen u.a. sicher sein.
🔎 Jede Technologieänderung sorgt für Verunsicherung. Natürlich führen neue Technologien wie KI zu Veränderungen. Damit verbunden sind aber immer auch neue Möglichkeiten. Die Interviewpartner sind zuversichtlich, dass das auch diesmal so ist. Diese Beurteilung teile ich mit Blick auf diverse Jobprofile.
🙍🏻♂️ Adrian Perrig: «KI ist in gewissen Dingen unglaublich gut, in anderen aber dumm.»
🕵🏼 Malte Schwerhoff: «Ich bin ein grosser Science-Fiction-Fan. Aber Artifical General Intelligenz sehe ich noch nicht am Horizont warten.»
Die Schlagzeile vom drohenden Jobabbau «wegen KI» und was das mit uns macht, ist übrigens auch ein Thema in meinem Buch, an dem ich gerade arbeite. 🙋♀️ Zum Beispiel bin ich überzeugt, dass die gesellschaftlichen Folgen von KI nicht erst beginnen, wenn Arbeitsplätze tatsächlich verschwinden. Bereits unsere Erwartungen und Befürchtungen beeinflussen uns.
Anlass für diesen Post auf LinkedIn ist das Interview mit Adrian Perrig und Malte Schwerhoff von der ETH Zürich heute in der NZZ (Seite 21 in der Printausgabe vom 29. April 2026).