Als junger Menschen das Gefühl «AI FOBO – Fear of Becominig Obsolete» täglich vermittelt zu bekommen, finde ich unverantwortlich. Junge Menschen stehen nicht in Konkurrenz zu künstlicher Intelligenz (KI).
Chefarzt Jan Holder (Ambulatorium für Psychiatrie und Psychotheraphie Psych-Central in Zürich) sagt in der NZZ vom Sonntag von heute: «Die regelmässig in Medien publizierten Listen von KI-gefährdeten Berufen etwa lösen bei den Patienten Ängste aus und nähren das Gefühl, in dieser Gesellschaft gar nicht mehr gebraucht zu werden.»
Und Dr. Hans Rusinek warnt im gleichen Artikel davor, dass Unternehmen ihre eigene Nachwuchs-Pipeline der kurzfristigen Effizienz opfern. Wer keine Juniors einstellt, wird die Seniors immer von aussen rekrutieren müssen.
Leider fallen im Moment mehrere Dinge zusammen, die den Rückgang an Einsteigerjobs und Lehrstellen beeinflussen:
Fehlende KI-Kompetenz der Entscheidungsträger:innen, was zur Streichung von Jobs führt, obwohl es dafür keinen Grund gibt. Oder KI ist nicht der Grund dafür.
Eine schwache Konjunktur aufgrund der generellen Verunsicherung auf den Märkten. Stichworte USA, Krieg in Europa, starker Franken etc.
Schwindende Zukunftsperspektiven im Hier und Jetzt für junge Menschen, zum Beispiel auch wegen der Klimakrise, Kriegen und ja, auch wegen KI. Das erzeugt einen unglaublichen Druck und verunsichert bei der Berufswahl.
🇨🇭Wie wäre es, wenn wir aufhören würden, das Narrativ vom «Jobabbau wegen KI» zu verbreiten? Fun Fact: Um das Potenzial von KI sinnvoll und gesetzeskonform nutzen zu können, benötigen wir Fachkräfte.
🇨🇭Wie wäre es, wenn sich die Wirtschaftsverbände und Unternehmen aus tiefster Überzeugung dafür stark machen, dass junge Menschen wissen, dass ihre Kompetenzen und ihre Neugier gefragt sind? Mit konkreten Stellenangeboten.
Leseempfehlung: Artikel «Eine verlorene Generation?» in der NZZ am Sonntag vom 5. Juli (Seite 11)