Der Think Tank für Digitale Ethik

Stiehlt KI jungen Menschen den Job?

Habe ich gerade einen Beruf gelernt, den es bald nicht mehr gibt? Die Verunsicherung der 500 Absolventinnen und Absolventen der ICT-Branche im Kanton Bern war spürbar. Hier ein paar Kernbotschaften meines Impulsreferats an der Lehrabschlussfeier 2026:

Junge Menschen hören ständig, dass sie besser als KI sein müssen. Logischerweise sind sie verunsichert, was die Berufswahl angeht. Auch wenn zahlreiche Studien zeigen: KI wird vor allem Berufsprofile verändern, nicht Berufe auslöschen.

Stehen wir Menschen wirklich in Konkurrenz zu KI? KI ist kein Naturereignis. Keine Welle, die über uns hereinbricht und gegen die wir nichts ausrichten können. Im Gegenteil: KI-Anwendungen sind von A bis Z ein menschliches Produkt. Und die ICT-Branche spielt dabei eine zentrale Rolle.

Wenn wir über KI reden und wenn wir sehen, wie einzelne KI-Anwendungen funktionieren, komme ich zu folgendem Schluss: Wir machen die Maschine grösser, als sie ist, und den Menschen kleiner, als er ist. (Das ist übrigens auch ein zentraler Gedanke in meinem Buch über den Menschen im KI-Zeitalter, das ich gerade am Schreiben bin. Wer sich dafür interessiert, abonniert sich am besten meinen Newsletter. ☺️ )

«Die KI war’s» gibt es nicht. Es gibt nur Menschen, die Entscheidungen fällen. Und genau darin liegt die Chance der Absolventinnen und Absolventen eines Berufs in der ICT-Branche. Sie schauen dieser Entwicklung nicht von aussen zu. Sie arbeiten mit KI-Systemen und mit Werkzeugen wie ChatGPT.

Der Wandel im Kontext von KI kommt nicht über Nacht. Unternehmen und die öffentliche Verwaltung brauchen Jahre, bis sie KI gewinnbringend und gesetzeskonform nutzen. Übrigens ist auch die Digitalisierung noch nicht abgeschlossen… Genau für diesen mehrjährigen Veränderungsprozess in Organisationen sind die jungen Berufsleute bestens gerüstet. Und sie haben einen Einfluss darauf, wie künstliche Intelligenz eingesetzt wird. Diesen Einfluss gilt es zu nutzen!

Vielen herzlichen Dank für die Einladung Thomas Riesen (Präsident) und Anic Heiz (Geschäftsführerin) von ICT-Berufsbildung Bern. Sie haben eine eindrückliche Abschlussfeier für über 500 Absolventinnen und Absolventen sowie 2000 Eltern und Gäste auf die Beine gestellt.

Da ich selber mit einer Berufslehre in die Arbeitswelt gestartet bin, war es mir eine besondere Ehre und Freude, in diesem festlichen Rahmen eine Impulsrede zu KI (Download als PDF) halten zu dürfen.

PS: Wer sich für den verantwortungsvollen Umgang mit Daten und Technologien wie KI interessiert: Im Februar 2027 startet die nächste Durchführung des zukunftsgerichteten CAS Digital Ethics an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ), das ich als Studiengangsleiterin verantworten darf.

Foto: Anic Heiz