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Wenn Akademiker:innen KI-Modelle über Plattformen trainieren

Auch Studierende, Spezialisten und Akademikerinnen in Industrieländern trainieren KI-Modelle. Der Stundenlohn hängt von der Arbeit ab und erfolgt über Plattformen, die 30% der Entschädigung für sich behalten.

Ein lukratives Geschäft für wen?

🚨 Vermittlungsplattformen wie z.B. Mercor mit Sitz in San Francisco profitieren von einer statten Marge: Rund 30 Prozent. Mich erinnert dies an klassische Temporärbüros. Gemäss eigenen Angaben hat Mercor im letzten Jahr 30’000 Klick-Arbeiter:innen für KI beschäftigt.

🚨 KI-Anbieter wie OpenAI & Co. kommen so einfach und schnell zu besseren KI-Modellen. Und je besser die KI-Modelle werden, desto weniger wird es diese Trainings durch Menschen brauchen. Es wird sie aber brauchen.

👩🏻‍💻👨🏼‍💻 Für Spezialist:innen ist diese Arbeit kurz- bis mittelfristig lukrativ: Die Arbeit lässt sich flexibel zu Hause erledigen, der Stundenlohn ist attraktiv und im Moment ist es nicht für alle einfach, eine Arbeit oder eine Nebenbeschäftigung zu finden. Beispiele für KI-Aufgaben:

🔎 Fragen (Prompts) finden, an denen die KI-Systeme scheitern
🔎 Antworten vergleichen und deren Qualität beschreiben
🔎 Antworten mit einer klaren Argumentation entwickeln
🔎 Bewertung von Prompts von anderen Klick-Arbeiter:innen

Je spezifischer die Ausbildung der Person, desto höher ist der Lohn. Und es gibt auch Jobs für Niedrigqualifizierte. Beispiele für den Stundenlohn:

🔎 Radiolog:innen: bis zu 340 Dollar
🔎 Anästhesist:innen: 200 Dollar
🔎 Basketball-Expert:innen, um Spiele zu analysieren: bis zu 70 Dollar
🔎 Britischer Akzent für KI im Callcenter: 35 Dollar

Gemäss der Plattform Mercator – es gibt auch andere Plattformen – liegt der durchschnittliche Stundenansatz bei ihnen bei 85 Dollar.

🇨🇭👩🏻‍💻👨🏼‍💻 Auch bei uns gibt es offenbar Menschen, die für solche Plattformen arbeiten. Vielleicht kennst du jemanden? 👁️

KI-Modelle werden dank dieser Arbeit von Spezialist:innen natürlich deutlich besser: Weniger Halluzinationen und bessere Antworten auf Fachfragen. Das bedeutet aber nicht, dass eine Maschine bald wie ein Mensch «denkt». Ein KI-System «rechnet», denn KI ist Mathematik und Statistik 😉. KI-Modellen fehlt weiterhin das Verständnis für diese Welt.

Anlass für diesen Post auf LinkedIn war der Artikel «Bis zu 340 Dollar Stundenlohn» in der NZZ von heute (Printausgabe vom 31. Januar 2026, Seite 54). Diesen Artikel habe ich sehr gerne gelesen, auch weil dieser Aspekt beim Training von KI-Modellen noch wenig bekannt ist.